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Beginn der Heldenreise

12. September 2026

Mein Leben war immer intensiv. Mitten in einer Geschichte aufzuwachsen, in der es immer um Leben und Tod ging, ließ mir möglicherweise keine Wahl, als auf meine eigene Heldenreise zu gehen, von Kleinkind an.

So verbrachte ich tapfer mein erstes Weihnachten, ganze 9 Monate alt, im Krankenhaus, mit einem dicken Verband um den Kopf, in einem weißen Nachthemd mich an das Geländer meines Gitterbetts klammernd. Ich hatte Furunkeln auf der Stirn, man fürchtete, sie würden auf meine Augen übergreifen. Direkt an Weihnachten wurde ich als Englein verkleidet und blinzelte erstaunt in die Kamera. So jung und schon so viel falsch gelaufen. Die Eiterprozesse blieben mir bis heute, laut Louise Hay Ausdruck von Zorn.

Und ja, ein zorniges Kind war ich außerdem, ein Schreibaby, wurde von meinem Vater nächtelang auf dem Arm durch die Wohnung getragen, damit wenigstens meine Mutter und mein pflegeleichter älterer Bruder friedlich schlafen konnten.

In der Trotzphase schmiss ich mich auf den Boden und schrie, oft mitten in der Öffentlichkeit. Dafür gab es Schläge, die mich schnell "zur Vernunft" brachten.

Statt zornig war ich jetzt vorlaut, sagte Sachen, die einem Kind in meinem Alter nicht zustanden, Dinge, die ich beobachtet hatte bei den Erwachsenen und die ich auf meine Weise wiedergab. Diese Gewohnheit habe ich beibehalten, zumindest das Beobachten und mir meinen eigenen Reim auf Dinge Machen. Jedoch gewöhnte ich mir schnell an, meine Erkenntnisse für mich zu behalten, den Mund zu halten, um nicht als "naseweis" und störend eingestuft zu werden. Das Versteckspiel begann.

Das Problem dabei war, dass ich mir selbst dabei abhanden kam. Dass ich immer besser darin wurde, meine eigenen Regungen und Gedanken zu verbergen, sie im Keim als gefährlich und nicht erwünscht zu ersticken, mich zu maskieren. Ich wurde zu einem richtig vernünftigen Kind, einem Kind, das mitweinen musste, wenn seine weniger vernünftigen Geschwister wieder einmal geschlagen wurden (zu unserem Besten, wurde uns gesagt).

Ein Kind, das fleißig im Haushalt mithalf, auf das sich seine Mutter schon früh verlassen konnte.

Ein Kind, dem es drinnen oft zu laut und eng wurde, das erst aufatmete, als es rauskam in die Sonne und den Wind, die es streichelten und liebkosten, während es durch die Wiesen und den nahen Wald am Rande Wiens lief, endlich unter seinesgleichen.

Ein Kind, das mit zwei oder drei Jahren ein Liederbuch schnappte und laut singend ein paar Hundert Meter die Straße entlanglief, das gar nicht vermisst wurde, aber von einem Nachbarn entdeckt und heimgebracht. Das war wohl ein erster Versuch, eigene Wege zu gehen, singend, ohne zurückzuschauen.

Die Liebe zum Singen ist mir geblieben, wegentlang, wie damals schon. Auch heute noch sind mir Lieder wie Räume, die aus der Zeit gefallen sind, eine Art Zeitkapseln für die Seele, die den Zuhörer in Gefühlsregionen mitnehmen, wo das Unsagbare und Ungesagte sich durch Bilder aussprechen und lebendig werden darf. Räume, die Leben bewahren und Heilung bewirken, ähnlich Geschichten.

So ein Kind war ich, in Intensität gebettet von Anfang an, mit Widerspruchsgeist begabt, der sich der Vernunft beugen lernte, nur um ihr immer wieder ein Schnippchen zu schlagen, bis heute. Das hielt mich in Bewegung und beweglich und bereit dem Ruf des Lebens zu folgen, wenn es wieder einmal ein neues Lied anstimmt.

English

The hero's journey begins

My life has always been intense. Growing up in the midst of a story where matters of life and death were always at stake perhaps left me no choice but to embark on my own hero’s journey—right from infancy.

And so, I bravely spent my first Christmas—at a mere nine months old—in the hospital: a thick bandage wrapped around my head, wearing a white nightgown, clutching the bars of my crib. I had boils on my forehead, and there was a fear they might spread to my eyes. On Christmas Day itself, I was dressed up as a little angel and blinked in astonishment at the camera. So young, and already so much had gone wrong. I have struggled with suppurating infections to this day—according to Louise Hay, an expression of anger.

And yes, I was an angry child, too—a baby who cried incessantly; my father would carry me around the apartment for hours at night so that at least my mother and my calm older brother could sleep peacefully.

During the "terrible twos," I would throw myself onto the floor and scream—often in public. That earned me a thrashing, which quickly brought me "to my senses."

Instead of being angry, I became precocious; I said things that weren't appropriate for a child my age—things I had observed the adults doing and then repeated in my own way. I’ve kept that habit—at least the part about observing and making sense of things in my own way. However, I quickly learned to keep my insights to myself—to hold my tongue—so I wouldn't be labeled a "smart aleck" or a nuisance. The game of hide-and-seek began.

The problem was, in the process, I lost sight of myself. I became increasingly adept at concealing my own impulses and thoughts—at nipping them in the bud as dangerous and unwelcome—and at wearing a mask. I grew into a truly sensible child, one who felt compelled to weep along when my less sensible siblings were beaten yet again (for our own good, we were told).

A child who diligently helped with the housework, someone my mother could rely on from an early age.

A child who often felt stifled by the noise and confinement indoors, breathing freely only upon stepping out into the sun and wind—the elemental spirits caressing and comforting me as I ran through the meadows and the nearby woods on the outskirts of Vienna, finally among kindred spirits.

A child who, at the age of two or three, would grab a songbook and run a few hundred meters down the street singing at the top of my lungs—unnoticed until a neighbor found me and brought me home. That was likely my first attempt to strike out on my own path, singing, without looking back.

My love of singing has stayed with me—along the way, just as it was back then. Even today, songs feel like spaces suspended outside of time—time capsules for the soul—transporting the listener to emotional realms where the unspeakable and the unsaid can find expression and life through imagery. Spaces that preserve life, healing spaces, much like stories.

That was the kind of child I was: steeped in intensity from the very start, gifted with a rebellious spirit that learned to bow to reason—only to outwit it time and again, right up to the present day. That spirit kept me in motion and flexible, ready to heed life’s call whenever it comes up with a new song.