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Nüchternheit als Weg

28. Oktober 2026

Es gibt so viele Möglichkeiten sich selbst zu betrügen. Und alle führen unweigerlich auf die eine oder andere Art in die Abhängigkeit. Dieses Thema trifft nicht nur auf einige wenige zu – es betrifft uns alle in unterschiedlicher Form. Was ich unter Selbstbetrug verstehe und was Abhängigkeit damit zu tun hat, aus der nur Nüchternheit einen Ausweg bietet, soll Gegenstand des folgenden Beitrags sein.

Nüchternheit als Weg, Freiheit als Ziel

Jeder möchte frei sein – frei von Einschränkungen, von Bevormundung und Vorschriften – frei, das eigene Leben so zu führen, wie man es sich vorstellt. Dafür gehen in Europa derzeit wieder Tausende von Menschen auf die Straßen.

Es ist ja wahr: Der Mensch ist zur Freiheit bestimmt.

Das Unbequeme an dieser Wahrheit ist: Wir müssen uns selbst dahin entwickeln. Das kann uns kein Schulsystem und keine Obrigkeit abnehmen.

Das gute Nachricht lautet: Wir brauchen weder Schulen noch Regierungen, um uns freizusetzen. Wir sind für die Freiheit geschaffen.

Anders als viele Thronfolger haben wir sogar die Freiheit, das uns Zugedachte auszuschlagen und ein Leben in Abhängigkeit zu wählen. Sieht man sich um, scheint das der Normalzustand zu sein. Freiheit zu wollen, sie von anderen einzufordern, reicht eben nicht aus. Freiheit muss errungen werden, von innen nach außen. Denn der Weg in die Freiheit ist wie ein Geburtskanal, den jeder selbst bewältigen muss, Stück für Stück.

Und hier kommt Nüchternheit ins Spiel – als eine Möglichkeit, wie diese Geburt gelingen kann. Nüchternheit wäre der Weg, Freiheit das Ziel. Nicht jeder nüchterne Mensch gelangt ans Ziel, doch jeder freie Mensch ist den Weg der Nüchternheit gegangen.

Innere Freiheit als unantastbare Dimension

Es gibt einen tiefen Grund, warum wir Freiheit so oft von außen einfordern – unsere Unkenntnis in Bezug auf das Ausmaß unserer inneren Freiheit. Darauf bezieht Schiller sich, wenn er feststellt: „Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, und würd‘ er in Ketten geboren.“[1]Geschaffen meint hier, dass wir zur Freiheit veranlagt sind. Eine Veranlagung ist noch keine Fähigkeit, nur eine Entwicklungsmöglichkeit, die wir ergreifen können oder nicht.

Innere Freiheit, wenn wir sie einmal erworben haben, beschränkt sich nicht auf Gedankenfreiheit, sie lässt uns auch die Wahl, wie wir mit unseren Gefühlen umgehen und wie wir auf etwas reagieren wollen. Welche Eindrücke von außen auf uns einwirken, liegt nicht in unserer Hand. Unsere Reaktion darauf bestimmen jedoch wir allein.

Dazu ein Beispiel. Franz von Assisi äußert in seinem berühmten Gebet sinngemäß die folgenden Bitten:

„Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich Liebe säe, wo man sich hasst,

dass ich auf Verletzung mit Vergebung reagiere,

auf Zwietracht mit Einheit, auf Irrtum mit Wahrheit,

auf Zweifel mit Glauben, auf Verzweiflung mit Hoffnung,

auf Traurigkeit mit Trost.“

In jeder Bitte geht es um die Fähigkeit, die „negative Ladung“ einer Erfahrung umdrehen zu können und mit einer „positiven Ladung“ zu antworten. Nur das menschliche Herz vermag das, am Verstand vorbei, wider alle Vernunft. Nur das Herz ist der Ort, wo eine negative Einwirkung zu einer positiven Auswirkung umgepolt werden kann. Wir müssen nicht mehr „Gleiches mit Gleichem vergelten“, wie das zu Zeiten des Alten Testamentes noch üblich war. Wir sind frei zu „lieben, die uns hassen.“ Ob wir das wollen, liegt an uns. Wie gut es uns gelingt, hängt vom Ausmaß unserer inneren Freiheit ab.

Der Angriff von innen

Doch was, wenn der Angriff auf unsere Freiheit von innen kommt, aus den unbewussten Tiefen unseres eigenen Seins?

Wenn wir uns plötzlich nach Dingen, Menschen, Erlebnissen sehnen, die bisher nicht zu unserem Erfahrungsbereich gehörten, die uns fürchten lassen, was andere von uns denken könnten?

Wenn diese aus dem eigenen Inneren kommenden Kräfte uns so vereinnahmen, dass sie unser Selbstbild so stark ins Wanken bringen, dass wir uns kaum wiedererkennen?

Plötzlich fällt es uns schwer, uns mit unserem bisherigen Leben zu identifizieren, es einfach weiterzuführen, so zu tun, als sei nichts geschehen. Wir stecken mitten in einer Krise.

Manche dieser Krisen treffen einen jeden von uns an bestimmten Punkten unserer Biografie – wie die Pubertätskrise des Heranwachsenden oder die Midlife-Crisis in der Lebensmitte. Andere Krisen sind sehr persönlicher Natur und können ganz unterschiedliche Auslöser haben, wie den Verlust eines geliebten Menschen, einen Unfall, eine schwere Krankheit, Jobverlust u.a.m.

Gemeinsam haben diese Krisenmomente, dass wir es mit Kräften zu tun bekommen, von denen wir gar nicht wussten, dass sie in uns schlummern.

Wenn der Drache erwacht

Der Drache in uns ist erwacht und fordert seinen Tribut. Er scheint uns keine andere Wahl zu lassen, als ihm unser Liebstes, unsere „Kinder” und damit unsere Zukunft, opfern. Freiheit scheint an dieser Stelle nur noch ein leeres Wort zu sein, einer Vergangenheit entsprungen, die nicht mehr zu uns gehört.

Ein solcher Angriff lässt sich nicht einfach abwehren, weil diese Kräfte einem unbewussten Teil in uns selbst entspringen. Hier ist mehr gefordert als Positivität. Jetzt geht es ums Überleben der Seele, um Sein oder Nicht-Sein. Entscheidend ist einzig und allein, was wir jetzt TUN.

Denn an dem Drachen in uns kommen wir nicht vorbei, nicht mit schlauen Gedanken und nicht mit positiven Gefühlen. Wir werden ihn auch nicht los. Unsere einzige Chance besteht darin, uns mutig und tatkräftig dem zu stellen, was uns aus den eigenen Tiefen bedroht. Wer das nicht schafft, wird gezwungen sein, den Drachen – und damit sich selbst – zu betäuben.

Wenn wir jetzt zu bestimmten Substanzen, Stimulantien und Verhaltensweisen greifen, um uns über diese „schwierigen Zeiten“ tiefer Verunsicherung, unerträglicher Trauer, bodenloser Langeweile, Leere und Angst hinwegzutrösten, wenn wir diese in uns tobenden Kräfte betäuben, anstatt sie kennenzulernen, laufen wir Gefahr, Schritt für Schritt unsere bis dahin erworbene Freiheit einbüßen. Damit beginnt eine Abwärtsspirale, eine immer tiefere Abhängigkeit von dem, was uns kurzfristig hilft - weil es zu helfen scheint.

Die drei Leben des Menschen

Gabriel García Márquez wusste um das geheime Leben, das im Unbewussten lauert. Er sagte treffend: „Jeder Mensch hat drei Leben: ein öffentliches, ein privates und ein geheimes.“[2]

Zwei von diesen Leben sind meist gut überschaubar: das Leben in der Rolle, die wir als Teil der Gesellschaft spielen, je nach Alter und Reifegrad, und unser privates Leben im Familien- und Freundeskreis. In beiden finden wir uns trotz wechselnder Szenarien Tag für Tag wieder, von der Wiege bis zum Sarg.

Unser geheimes Leben dagegen hat uns lebenslang fest im Griff. Dabei handelt es sich um urtümliche, ungezähmte Kräfte in uns, auf die wir keinen direkten Zugriff haben, die wir nicht kontrollieren können. Sie sind unberechenbar und das macht uns Angst.

Ich wage zu behaupten, dass dieses dritte geheime Leben uns tiefer bestimmt, als die beiden anderen, dass es der stärkste Antrieb unseres Tuns ist. Es ist wie eine Schattenregierung, die keiner kennt, am allerwenigsten wir selbst. Und je weniger wir darüber wissen, desto mehr fürchten wir es – in dem Fall völlig zu Recht. Dann bleibt uns nur noch zu leugnen, was in uns brodelt und mit uns geschieht.

Warum Leugnen und Abhängigkeit Hand in Hand gehen

Leugnung ist eine der gängigsten Formen von Selbstbetrug – so alltäglich und weit verbreitet wie andere Formen der Lüge auch.

Ein Grund dafür ist unsere Konditionierung, dass „nicht sein kann, was nicht sein darf“.[3] Wir sind bestrebt, zu verbergen – auch vor uns selbst – wenn wir etwas wollen, das wir als „unerlaubt“ empfinden. Entweder wir unterdrücken es, meist ohne Erfolg, oder wir leben es im Geheimen aus – und leugnen gleichzeitig, dass wir das tun. Denn wenn wir nicht bereit sind, dieses fremde, oft auch befremdliche Verlangen in uns anzuerkennen, müssen wir es geheimhalten, um wenigstens den Schein von Kontrolle aufrechtzuerhalten.

In beiden Fällen führt der Weg in eine Sackgasse, in der keine Entwicklung mehr stattfinden kann, weil jede wahre Entwicklung mit der Integration von Neuem in das Alte einhergeht. Findet diese Integration nicht statt, verstricken wir uns immer tiefer in Abspaltung und Abhängigkeit. Und so geraten wir zunehmend in den Schattenbereich der Sucht. Wir entwickeln die typischen Verhaltensweisen eines Süchtigen, egal um welche Sucht es sich handelt: Wir leugnen, lügen, täuschen uns und alle anderen.

Nüchternheit als rettender Ausweg

Aus diesem tödlichen Dilemma gibt es nur einen Ausweg: sich für Nüchternheit zu entscheiden, kompromisslos und radikal – von Stunde zu Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Wie es das 12-Schritte-Programm[4] der anonymen Selbsthilfegruppen zu den unterschiedlichsten Themen vorgibt, muss der Alkoholiker bereit sein, „nur für heute“ das Glas Alkohol stehen zu lassen, der Drogensüchtige seine jeweilige Droge, der Co-Abhängige muss seinen Helfer- und Kontrollwahn aufgeben, der Liebessüchtige den Traum von der (nächsten) großen Liebe, der Arbeitssüchtige seine Vermeidungsstrategie durch Arbeiten – um nur einige Süchte zu nennen. Nicht zu vergessen die uns alle betreffende Abhängigkeit von digitalen Medien und das süchtig machende Konsumverhalten, das sie erlauben.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, haben alle Süchte gemeinsam, dass sie in eine Sackgasse führen, statt einen Ausweg zu bieten. Sie alle helfen den Betroffenen zu vermeiden, sich mit den tieferen Ursachen ihrer Sucht auseinanderzusetzen – mit den geheimen Drachenkräften aus dem eigenen Inneren.

Das ist tief tragisch – nicht nur, weil jede Sucht in immer toxischere Muster der Versklavung führt, sondern weil genau die Kräfte, die der Süchtige so fürchtet und betäubt, ihm die Heilung bringen könnten, nach der er sich nicht einmal mehr zu sehnen vermag.

Hier hilft nur noch der radikale Entschluss zur Nüchternheit.

Nüchternheit, wie sie mithilfe der 12 Schritte unter Anleitung eines Mentors erworben wird, kann in jedem Stadium der Sucht die rettende Wende bringen. In Anerkennung einer Höheren Macht, die das Leben lenkt, während man selbst kapituliert und zugibt, dass man keine Kontrolle über das eigene Suchtverhalten hat, begibt man sich mit der Unterstützung einer Gruppe von Menschen, die von der gleichen Sucht betroffen sind, entschlossen auf den Weg der Nüchternheit. Man wird zum Süchtigen, der Genesung sucht.

Die Begegnung mit dem Drachen

Und während wir uns Schritt für Schritt aus den Klauen der Abhängigkeit befreien, entwickeln wir die nötige Kraft und den nötigen Mut, dem Drachen des geheimen Lebens ins Auge zu schauen.

Es ranken sie viele Konzepte um den Versuch, konstruktiv mit dem, was da im Unbewussten lauert, umzugehen – wie die Arbeit mit den eigenen Schatten, die Zurücknahme von Projektionen oder die Heilung des inneren Kindes. Das Paradoxe ist: Diese Konzepte können wir erst richtig begreifen und uns zunutze machen, wenn wir die Begegnung mit dem geheimen Selbst in ihrer vollen Wucht zugelassen haben.

Dann jedoch brauchen, ja wollen wir sie meist nicht mehr.

Denn wer dem geheimen Selbst ins Auge gesehen und nicht die Flucht ergriffen hat, geht als für immer Verwandelter aus dieser Begegnung hervor.

Es ist ein heiliger Moment, wenn wir begreifen, dass wir uns selbst gegenüberstehen; dass die Kraft, vor der wir in die Abhängigkeit flüchteten, immer schon unsere eigene war; dass wir über den Umweg der Sucht immer nur uns selbst suchten; und dass die Kräfte, die wir für einen feindlichen Drachen hielten, zu uns gehören, wie eine Hand zur anderen: Wir brauchen sie, um das anzupacken, wofür wir in diesem Leben angetreten sind.

Der Wahrheit verpflichtet

Diese Erkenntnis ist erschütternd. Sie zeigt uns uns selbst in einem völlig neuen Licht. Sie vereint, was bisher getrennt erschien, versöhnt, was im Kampf miteinander lag. Sie lässt uns Frieden schließen mit uns selbst.

Plötzlich macht alles Sinn. Wir erkennen die Handschrift der Höheren Macht, die uns nie verlassen hat, nie verlassen wird. Wir sind zu dankbaren Genesenden geworden, die sich so annehmen können, wie sie sind. Kein Selbsthass mehr, keine Zweifel in Bezug auf die eigene Integrität. Wir bitten all diejenigen um Verzeihung, denen wir in unserer Verzweiflung und Verblendung Schaden zugefügt haben.

Endlich können wir in Liebe akzeptieren, was war, mit all seinen Schrecken und Verfehlungen, mit all den Schmerzen, die man sich und anderen zugefügt hat. Wir erkennen es als notwendigen Schritt auf dem Weg zu tiefer Selbsterkenntnis. Wir wissen die Wahrheit über uns selbst. Sie macht uns frei von alten Selbstvorwürfen, von der Notwendigkeit zu leugnen und uns etwas vorzumachen. Ihr sind wir fortan verpflichtet, mehr als jeder anderen Instanz.

Endlich mit uns selbst versöhnt, liegt uns nichts ferner, als den Drachen unseres geheimen Selbst zähmen oder gar töten zu wollen. Vielmehr bieten wir ihm unsere Dienste an – unseren wachen Geist, unsere reinen Herzenskräfte und unseren Willen zur Wahrhaftigkeit. Das wiederum erlaubt dem einst so gefürchteten geheimen Selbst, uns seine volle Tatkraft zur Verfügung zu stellen – was unser ganzes Leben verwandeln und mit sich ständig erneuernder Lebendigkeit beschenken wird.

Wir haben erkannt, dass es nichts Schöneres gibt, als das Leben Tag für Tag in größtmöglicher Nüchternheit zu feiern – in Frieden mit sich und anderen, mit Gott und der Welt.

[1] aus: „Die Worte des Glaubens“.

[2] aus: Gabriel García Márquez: A Life, Gerald Martin, 2010.

[3] Dieses Zitat wird Kaiser Wilhelm II. zugeschrieben.

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf-Schritte-Programm

English version

There are so many ways to deceive oneself. And all of them, in one way or another, inevitably lead to dependency. This issue does not apply to just a select few—it affects us all, in various forms. This article explores what I mean by self-deception and its connection to dependency—a state from which sobriety offers the only way out.

Sobriety as the Path, Freedom as the Goal

Everyone wants to be free—free from constraints, from being told what to do, and from rigid rules—free to live one’s life exactly as one envisions it. Indeed, thousands of people across Europe are currently taking to the streets for this very reason.

It is true: human beings are destined for freedom.

The uncomfortable truth, however, is that we must develop ourselves toward this state. No school system or authority can do this for us.

The good news is that we do not need schools or governments to set us free. We are created for freedom.

Unlike many heirs to a throne, we even have the freedom to reject what has been laid out for us and choose a life of dependency instead. Looking around, this seems to be the norm. Simply wanting freedom—or demanding it from others—is not enough. Freedom must be won, from the inside out. The path to freedom is like a birth canal; one must navigate it personally, step by step.

This is where sobriety comes in—as a means by which this "birth" can be achieved. Sobriety is the path; freedom is the goal. Not everyone who is sober reaches the goal, but every free person has walked the path of sobriety.

Inner Freedom as an Inviolable Dimension

There is a profound reason why we so often demand freedom from external sources: our lack of awareness regarding the true extent of our own inner freedom. Schiller refers to this when he states: "Man is created free—is free—even if he were born in chains."[1] Here, "created" implies that we have an inherent predisposition toward freedom. A predisposition is not yet an actualized capacity; it is merely a potential for development—one that we may choose to embrace or not.

Once attained, inner freedom is not limited to freedom of thought; it also grants us the choice of how to engage with our emotions and how we wish to respond to external events. While we have no control over the impressions that reach us from the outside world, we alone determine how we respond to them.

Consider this example: In his famous prayer, Francis of Assisi expresses, in essence, the following beckonings:

"Lord, make me an instrument of Your peace:

that I may sow love where there is hatred,

that I may respond to injury with forgiveness,

to discord with unity, to error with truth,

to doubt with faith, to despair with hope,

to sadness with consolation."

Each of these petitions concerns the capacity to transform the "negative charge" of an experience and respond with a "positive charge." Only the human heart is capable of this—bypassing the intellect and defying conventional reason. The heart is the sole place where a negative influence can be transmuted into a positive outcome. We are no longer bound to "repay like with like," as was customary in the era of the Old Testament. We are free to "love those who hate us." Whether we choose to do so is up to us; the degree to which we succeed depends on the extent of our inner freedom.

The Attack from Within

But what if the assault on our freedom comes from within—from the unconscious depths of our own being?

What if we suddenly find ourselves longing for things, people, or experiences that previously lay outside our realm of experience—things that make us fear how others might perceive us?

What if these forces, emerging from our own inner depths, take such a hold of us that our self-image begins to waver, leaving us barely able to recognize ourselves?

Suddenly, we struggle to identify with the life we ​​have led until now—to simply carry on as if nothing has happened. We find ourselves in the midst of a crisis.

Some of these crises strike us at specific junctures in our lives—such as the turmoil of adolescence or the midlife crisis. Others are deeply personal and can be triggered by a wide range of events, including the loss of a loved one, an accident, a serious illness, or the loss of a job, among many others.

What these moments of crisis have in common is that we are confronted with forces we never even knew were lying dormant within us.

When the Dragon Awakens

The dragon within us has awakened, and it demands its tribute. It seems to leave us no choice but to sacrifice what we hold most dear—our "children," and with them, our future. At this point, "freedom" feels like nothing more than an empty word, a relic of a past that no longer belongs to us.

Such an attack cannot simply be warded off, because these forces originate from an unconscious part of ourselves. More than mere positivity is required here. What is at stake now is the survival of the soul—a matter of being or non-being. The only thing that truly matters is what we DO now.

For there is no bypassing the dragon within us—not through clever thoughts, nor through positive feelings. Nor can we simply get rid of it. Our only chance lies in courageously and actively confronting that which threatens us from the depths of our own being. Those who fail to do so will be forced to numb the dragon—and, in the process, themselves.

If we turn to certain substances, stimulants, or behaviors to console ourselves through these "difficult times"—times marked by profound uncertainty, unbearable grief, bottomless boredom, emptiness, and fear—and if we choose to numb the forces raging within us rather than seeking to understand them, we risk losing, step by step, the freedom we have managed to attain. This sets off a downward spiral: an ever-deepening dependency on things that offer short-term relief—or at least appear to do so.

The Three Lives of a Human Being

Gabriel García Márquez was well aware of the secret life that lurks within the unconscious. He aptly remarked: "Every human being has three lives: a public life, a private life, and a secret life."[2]

Two of these lives are generally quite manageable: the life we ​​lead in the roles we play as members of society—depending on our age and level of maturity—and our private life, shared with family and friends. We navigate both of these, day in and day out, across ever-changing scenarios, from the cradle to the grave.

Our secret life, by contrast, holds us firmly in its grip for as long as we live. These are primal, untamed forces within us—forces to which we have no direct access and which we cannot control. They are unpredictable, and that frightens us.

I would venture to say that this third, secret life shapes us more profoundly than the other two; it is the most powerful driving force behind our actions. It acts like a shadow government—one that no one knows about, least of all ourselves. And the less we know about it, the more we fear it—quite rightly so, in this case. All that remains is to deny what is simmering within us and what is happening to us.

Why Denial and Dependency Go Hand in Hand

Denial is one of the most common forms of self-deception—as everyday and widespread as any other form of lying.

One reason for this is our conditioning—the belief that "what ought not to be, cannot be."[3] We strive to hide—even from ourselves—the fact that we desire something we perceive as "forbidden." We either suppress it—usually unsuccessfully—or we act it out in secret, all the while denying that we are doing so. Because if we are unwilling to acknowledge this alien—and often unsettling—desire within us, we must keep it hidden to maintain at least the appearance of control.

In either case, we end up in a dead end where no further growth is possible, as any genuine development requires the integration of the new into the old. If this integration fails to occur, we become increasingly entangled in fragmentation and dependency. Consequently, we drift further into the shadowy realm of addiction. We begin to exhibit the typical behaviors of an addict—regardless of the specific nature of the addiction: we deny, we lie, and we deceive both ourselves and everyone around us.

Sobriety as a Lifesaving Way Out

There is only one way out of this deadly dilemma: choosing sobriety—uncompromisingly and radically—hour by hour, day by day, year by year. As prescribed by the 12-step program[4]—used by various anonymous self-help groups—an alcoholic must be willing to put down the glass of alcohol "just for today"; a drug addict must forgo their particular substance; a codependent must abandon their compulsion to help or control others; a love addict must let go of the dream of the "(next) great love"; and a workaholic must relinquish the use of work as a strategy for avoidance—to name but a few addictions. And, of course, there is the dependency on digital media—which affects us all—and the addictive consumer behavior that such media facilitate.

Although it may not appear so at first glance, all addictions share one thing: they lead into a dead end rather than offering a way out. They all help those affected to avoid confronting the deeper root causes of their addiction—the secret, dragon-like forces lurking within their own inner selves.

This is deeply tragic—not only because every addiction leads to increasingly toxic patterns of enslavement, but because the very forces the addict fears and numbs are the ones that could bring about the healing they no longer even have the capacity to long for.

The only solution here is a radical commitment to sobriety.

Sobriety, as fostered through the 12-step approach Taking steps under the guidance of a mentor can provide a vital turning point at any stage of addiction. By acknowledging a Higher Power that directs life—while simultaneously surrendering and admitting that one has no control over one’s own addictive behavior—one embarks, with the support of a group of others affected by the same addiction, on a determined path toward sobriety. One becomes an addict in search of recovery.

Encountering the Dragon

And as we gradually free ourselves from the clutches of dependency, we develop the strength and courage required to look the "dragon" of our secret life in the eye.

There are many concepts surrounding how to deal constructively with what lurks in the unconscious—such as working with one’s own shadows, withdrawing projections, or healing the inner child. The paradox is that we can only truly grasp and utilize these concepts once we have allowed ourselves to face this "secret self" in its full, overwhelming intensity.

Yet, once that happens, we usually no longer need—or even want—them.

For anyone who has looked their secret self in the eye without fleeing emerges from the encounter forever transformed.

It is a sacred moment when we realize that we are standing face-to-face with ourselves; that the power from which we fled into addiction was, in fact, our own all along; that through the detour of addiction, we were always just searching for ourselves; and that the forces we once perceived as a hostile dragon are as much a part of us as one hand is to the other. We need them to tackle the very purpose for which we arrived in this life.

Committed to the Truth

This realization is shattering. It reveals us to ourselves in an entirely new light. It unites what once appeared separate; it reconciles what was once in conflict. It allows us to make peace with ourselves.

Suddenly, everything makes sense. We recognize the handiwork of a Higher Power—a power that has never left us, and never will. We have become grateful individuals in recovery, capable of accepting ourselves just as we are. No more self-loathing, no more doubting our own integrity. We seek forgiveness from all those we may have harmed in our desperation and blindness.

At last, we can accept the past with love—all its horrors and transgressions, all the pain we inflicted upon ourselves and others. We see it as a necessary step on the path toward profound self-discovery. We know the truth about ourselves. This truth liberates us from old self-reproaches and from the need to live in denial or self-deception. To this truth, we are henceforth committed—above all else.

Having finally reconciled with ourselves, the last thing we would wish to do is tame—let alone slay—the dragon of our hidden self. Instead, we offer it our service: our alert mind, the pure strength of our hearts, and our commitment to truthfulness. In turn, this allows our once-feared hidden self to place its full, dynamic energy at our disposal—transforming our entire existence and imbuing it with a vitality that is constantly renewed.

We have come to realize that there is nothing more beautiful than to celebrate life, day after day, with the greatest possible clarity—at peace with ourselves and others, with God and the world.

[1] From: "The Words of Faith."

[2] From: *Gabriel García Márquez: A Life* by Gerald Martin, 2010.

[3] This quote is attributed to Kaiser Wilhelm II.

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf-Schritte-Programm