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"Pancho's Garten" im Herzen von New York

9. September 2026

Grüne Magie im Herzen von New York

Wer dauerhaft reist, läuft Gefahr zum "Drüberflieger" zu werden, wie Drohnen es sind: Man sieht Orte, Menschen, Gegebenheiten wie von oben, nur mit oberflächlichem, beschränkt gezieltem Interesse. Man beginnt unversehens eine Touristen-Mentalität zu entwickeln: Diese Sehenswürdigkeit lockt, jenes kulturelle Event, das muss man gegessen, besucht, bestiegen, gefahren, fotografiert haben. New York im August ist wie geschaffen für all das, ganz abgesehen davon, dass hier mein Sohn lebt, den ich besuchen wollte.

Ein paar Tage lang war das Sightseeing wunderbar, aufregend, sogar erfüllend - trotz Lärm und einem Übermaß an Eindrücken. Manhatten hat nicht nur Wolkenkratzer zu bieten, die aus der Ferne zu einer Skyline verschmelzen, an der man sich nicht sattsehen kann, auch auf dem East River in der schaukelnden und doch flotten Fähre unter den berühmten Brücken hindurchzufahren, hat was. Wir liefen über die Brooklyn Bridge, stürzten uns in das Geflimmer und Menschengewoge am Times Square, besuchten eine Broadway-Show, gingen second-hand-Shoppen, radelten durch den Central Park, besuchten Museen für Kinder jeden Alters.

Doch auf einmal hatte ich einen Reise-Kater. Ich sollte ja bald nach Deutschland zurückfliegen und von dort weiter nach Kreta, alles gut geplant - und plötzlich nicht mehr "das Richtige". Während ich noch durch die Straßen lief, überragt von Häusergiganten, umwogt von Menschenmassen, erschlagen von Lärm aller Art, kamen mir massive Zweifel an meinem Lebensstil der letzten sechs Jahre. Ich war auf die Suche nach mehr echtem Leben, Verbindlichkeit und Zugehörigkeit gegangen - und fühlte jetzt die Gefahr, mir durch meine Rastlosigkeit den Zugang zu dem Ersehnten "Paradies des Miteinanders" zu verbauen.

Reisende wie ich kommen oft weiter herum als Sesshafte, sie haben oft mehr von einer Stadt oder einem Land bereist, als es viele Einheimische tun.

Doch was habe ich wirklich kennengelernt von dem Neuen, Anderen?

Was haben ich davon über mich und die anderen gelernt?

War ich überhaupt noch zu tiefer Begegnung fähig?

Diese Fragen rumorten in mir, als ich den Garten fand, fünf Minuten von der Wohnung meines Sohnes entfernt. Es gibt viele dieser umzäunten, unter der Woche geschlossenen, oft auch abgeschirmten Gärten in Manhatten. Ich hatte sie schon vor zwei Jahren wahrgenommen, aber nicht gewusst, wie ich Zutritt dazu bekomme. Doch jetzt stand die Tür offen. Eine Einladung zu einem ruhigen Raum. Schattige Wege führten durch eine Idylle aus Beeten, Stauden und Büschen, überragt von hohen Bäumen, hinter denen die Fronten der Häuser ringsum wie zurücktraten, sich zurücknahmen, um zu schützen, nicht zu stören, was da unter ihren Augen lebte.

Und wie das mit solchen Orten oft ist und auch mit manchen Menschen - lebte da mehr, als man auf den ersten Blick sah: Neben Vögeln vieler Art, die vor allem zu hören waren, sicher im dichten Grün, entdeckte ich gold-orangene Fische im winzigen Teich neben einer Laube mit Tisch und Stühlen, ein Platz zum Verweilen inmitten dieser Metropole, deren Lärm zu keiner Tageszeit versiegte.

Hier war Raum für Stille und Begegnung, hier war die Schildkröte zuhause - immer hungrig nach den Würmern, die es in diesem Paradies ebenfalls im Überfluss gab, auch wenn man ein wenig danach graben musste. Obwohl gut versorgt und hochgeschätzt, war sie scheu und manchmal auch bissig. Vielleicht aber erkannte sie den Unterschied zwischen Wurm und Finger nicht mehr, wer weiß? Ich sehe sie als freundliches Wesen und im Grunde genügsam: Wer sich mit einem kleinen Teich zufriedengibt und dennoch weitergedeiht, hat gelernt, das Große im Kleinen zu finden. Wenn das nicht weise ist!

Und dann leben da noch die Ratten, nachts hoch aktiv an Plätzen, wo keiner sie haben will - Eindringlinge, die alles zum Nest machen, was nicht sicher vor ihren Nagezähnen verwahrt und weggeschlossen ist.

Das alles erleben die Häuser aus gesunder Entfernung - besser Ratten im Garten als in ihren Eingeweiden! Was die Ratten nicht davon abhält, auch dort zu wühlen…

Der Garten hat aber noch mehr zu bieten. Verfolgt man den Weg nach links bis an sein Ende, gelangt man in ein Paradies für Kinder mit allem, was ein Kinderherz zum Spielen anregt, ein Kinderhaus, eine Bücherecke, ein kleiner Tisch und echtes Geschirr, um alles aus Sand, Samen und Erde zu kochen, was die Fantasie so hergibt.

In den Beeten blühten vielerlei Blumen friedlich neben Gemüse, sorgfältig ausgesucht und gepflegt. Auch Pflanzen leben nicht nur von Erde, Wasser und Luft. Wenn sie unsere Liebe spüren, die Menschen einen grünen Daumen verleiht, danken sie es damit, dass sie uns lächeln lassen, wann immer wir sie erblicken.

Dieser Ort, Pancho's Garten genannt, war die Antwort auf meine Fragen. Ich wusste: Hier bin ich zuhause, hier will ich sein. Will ich mitmachen beim Jäten, Pflanzen, Hegen, Gießen, und ja, auch beim Füttern von Schildkröte und Fischen. Sogar die Jagd nach den Rattenspuren erschien mir verlockender, als weiter durch die Länder zu "jagen", ohne echte Begegnungen mit Land und Leuten. Im Grunde war und bin ich immer schon eine Suchende gewesen, nach Menschen, die sich gemeinsam um den Erhalt des Lebendigen kümmern wollen.

Und noch bevor ich den Garten verließ, wusste ich, dass ich wiederkommen würde, bald schon, außer Plan und planlos - zu diesem Garten und seinen Hütern und zu der Kraft, die sie alle zusammenhält, die auch mich gerufen hat: Nichts möchte ich lieber, als mich dem Schutzring aus Häusern, Bäumen und Menschen einzureihen und mich mit ihnen gemeinsam auf die Logik einzulassen, der Gärten folgen: im Rhythmus der Jahreszeiten zu tun, was zu tun ist, damit das Leben weitergeht.

Und ja, es gibt ihn wirklich, nicht nur in meinen Träumen.

English

Green Magic in the Heart of New York

Anyone who travels constantly runs the risk of becoming a "fly-over" observer, much like a drone: you view places, people, and situations from above, with only a superficial and narrowly focused interest. You inadvertently start to develop a tourist mentality: drawn to this attraction or that cultural event, feeling you simply *must* eat, visit, climb, ride, or photograph specific things. New York in August is tailor-made for all of that - not to mention the fact that my son lives there and I wanted to visit him.

For a few days, the sightseeing was wonderful, exciting, and even fulfilling - despite the noise and the sensory overload. Manhattan offers more than just skyscrapers that merge into an endlessly captivating skyline from a distance; there is something special about riding the East River ferries, rocking yet swift, beneath the famous bridges. We walked across the Brooklyn Bridge, plunged into the shimmering lights and surging crowds of Times Square, saw a Broadway show, went thrift shopping, cycled through Central Park, and visited museums for children of all ages.

But suddenly, I was hit by a travel hangover. I was due to fly back to Germany soon and then on to Crete. Everything was well planned, yet suddenly, it didn't feel "right" anymore. As I walked through the streets, dwarfed by colossal buildings, swept along by crowds, and overwhelmed by the cacophony of noise, I began to harbor serious doubts about the lifestyle I had led for the past six years. I had set out in search of a more authentic life, of commitment and a sense of belonging. Yet now I felt that my restlessness threatened to block my access to that longed-for "paradise of togetherness."

Travelers, like me, often cover more ground than those who stay put; we frequently see more of a city or a country than many of the locals do.

But what had I truly come to know of this new, different world?
What had I learned about myself and others from the experience?
Was I even still capable of a deep encounter?

These questions were churning within me when I found the garden, just five minutes from my son’s apartment. There were many such gardens in Manhattan - fenced, often secluded, and closed on weekdays. I had noticed them before but hadn't known how to gain entry. Now, however, the gate stood open - an invitation to a tranquil space. Shady paths wound through an idyll of flowerbeds, perennials, and shrubs, overarched by tall trees; behind them, the surrounding building facades seemed to step back, to withdraw - as if to protect rather than disturb the life unfolding beneath their gaze.

And, as is often the case with such places - and indeed with some people - there was more life there than met the eye at first glance. Beyond the many species of birds, heard rather than seen, safe within the dense foliage, I discovered golden-orange fish in a tiny pond beside a gazebo furnished with a table and chairs; it was a place to linger amidst a metropolis whose noise never ceased.

Here was space for silence and connection; here, the turtle made its home, forever hungry for the worms that also abounded in this paradise, provided one was willing to dig a little for them. Though well-cared-for and highly prized, the creature was shy and sometimes even prone to biting. Perhaps, though, it could no longer distinguish between a worm and a finger - who knows? I view it as a friendly, and fundamentally undemanding, creature: anyone who is content with a small pond yet continues to thrive has learned to find greatness in the small things. If that isn't wisdom, what is?

And then there are the rats - highly active at night in places where no one wanted them - intruders that turned anything not safely stored or locked away from their gnawing teeth into a nest.

The houses experience all this from a safe distance. Better to have rats in the garden than in their own innards! Though that doesn't stop the rats from burrowing there, too...

But the garden has even more to offer. If you followed the path to the left all the way to the end, you arrive at a children's paradise featuring everything to spark a child's imagination: a playhouse, a reading corner, a small table, and real dishes for cooking up whatever concoctions of sand, seeds, and earth their imaginations could conjure.

In the beds, a variety of flowers bloomed peacefully alongside the vegetables, all carefully selected and tended. Plants, too, do not live by soil, water, and air alone. When they sense the love that gives people a "green thumb," they repay us by making us smile whenever we lay eyes on them.

This place, known as Pancho’s Garden, was the answer to my questions. I knew instantly: this is where I belong, where I want to be. Here, I want to join in the weeding, planting, tending, and watering - and yes, even the feeding of the tortoise and the fish. Even tracking down signs of rats seemed more appealing to me than continuing to "hunt" across lands without ever truly connecting with the place or its people. At heart, I have always been a seeker - searching for people who want to work together to nurture and preserve life.

And even before I left the garden, I knew I would return - soon, without a schedule or a plan - to this garden, to its caretakers, and to the force that held them all together and had called out to me as well. There is nothing I would rather do than join that protective circle of houses, trees, and people, and embrace the logic that gardens follow: doing what needs to be done, in rhythm with the seasons, so that life can go on.

And yes, this Garden truly exists, not just in my dreams.