Überlebende der eigenen Geschichte
16. September 2026

Ich habe den Verdacht, dass alle Schreibenden Überlebende sind - eines Schweigens, das sich oft schon in frühen Jahren ums sie und ihnen aufbaute, ein tödlicher Sog, der ins Nichts führte. Viele von uns flüchteten in Süchte aller Art.
Bis die Worte kamen und einen Ausweg wiesen, an dessen Ende manchmal sogar Heilung wartete:
das Ganzwerden mit allen Teilen seiner selbst;
mit der eigenen Geschichte, die Bruchstück für Bruchstück gewürdigt werden möchte, bevor sie sich zu einem wunderbaren Ganzen fügt;
zum Kunstwerk des eigenen Lebens, das gefeiert werden will, zumindest von uns selbst:
Jeder sein eigener Künstler und sein eigenes Kunstwerk.
Ein biografisches Wunder, ein Kaleidoskop aus Leid und Freud, aus Liebe und Gleichgültigkeit, aus Waghalsigkeit und Verzweiflung, aus Verlust und Neuanfang, aus Einsamkeit und Verbundenheit - umrahmt und gehalten von der Liebe zum Leben, die jeder Überlebende kennt.
EnglishSurviving ones own story
I suspect that all writers are survivors—survivors of a silence that often built up around and upon them in their early years, a deadly undertow leading into the void.
Many of us fled into addictions of every kind.
Until the words came and pointed the way out—a path that sometimes led to healing:
to becoming whole with every part of oneself;
to one’s own story, which asks to be honored fragment by fragment before it coalesces into a wondrous whole;
into the work of art that is one’s own life, a work that deserves to be celebrated—at the very least, by oneself:
Each person their own artist and their own work of art.
A biographical miracle, a kaleidoscope of sorrow and joy, love and indifference, recklessness and despair, loss and new beginnings, loneliness and connection—framed and held together by the love of life that every survivor knows.